Mut #03

Bevor ich Euch erzähle, wie es mit der Email weiter ging, die ich abgeschickt hatte, weil ich mich für das Atelier in Trudering interessierte, möchte ich Euch eine Begebenheit schildern, die für mich einen absoluten Aha-Effekt hatte und die in der Chronologie meiner Selbstständigkeit etwa vier Monate früher geschehen war.

In meiner Zeit als Gründungs-Beraterin fragten wir die gründungsinteressierten Studenten immer Folgendes:

“Wo denkst du beginnt eine Idee?”

Die Antworten waren vielfältig. Im Herzen, im Kopf, im Bauch….

Die richtige Antwort – wenn man überhaupt von einer richtigen Antwort sprechen kann – ist: Die Idee beginnt im Mund. Ja, genau dort. Denn sobald du sie ausgesprochen hast und sie zu hören ist, kann sie Wirklichkeit werden.

Das erste Mal am eigenen Leib hatte ich von der Wahrhaftigkeit dieser Weisheit erfahren, als ich bei Viola davon gesprochen hatte, eine Malschule eröffnen zu wollen. Der Mund hatte es ausgesprochen, das Ohr hatte es gehört, das Hirn scheinbar begriffen. Das zweite Erlebnis war im Urlaub. Da geschah Folgendes:

Mir war im Juni 2014 bereits klar, dass ich als Künstlerin mein Geld verdienen wollte. Mir war aber ebenso klar, dass ich vermutlich von all jenen belächelt würde, die eine Ausbildung an der Kunstakademie hatten, oder eine Ausbildung als GrafikerIn oder IllustratorIn. (“Oh je, schon wieder so ein Quereinsteiger!”) Mir war klar, dass ich sicherlich gefragt werden würde, wo ich Illustration oder Design studiert hätte. Mir war klar, dass ich eine Nische finden müsste, dass ich meinen eigenen Zugang finden müsste. In welche Richtung das genau gehen sollte, wusste ich ja damals selber nicht. Ich wusste nur, dass ich es will und kann und ernst nehme und Geld verdienen möchte. Und glücklich sein will.

Heike Haas_b.JPG
Was bin ich?

So kam es also, dass wir im Urlaub in Italien eine Großfamilie kennen lernten. Oma, Opa, erwachsene Kinder und Enkelkinder. Eines Nachmittags standen wir im Kreis auf der Sonnenterrasse zusammen und plötzlich begann die Fragerunde:

“Was macht Ihr eigentlich so beruflich?”

Der erste berichtete davon, er sei Anwalt, seine Frau war Ärztin, die Schwester Psychologin, der Vater ebenso Mediziner und so ging es reihum. Mein Mann war an der Reihe und hatte die Kopfnicker gleich auf seiner Seite, als er sagte, dass er bei einem Automobilhersteller arbeite. Ihr könnt Euch denken, dass die Frage natürlich auch an mich gestellt wurde. Das mulmige Gefühl machte sich schnell in mir breit, denn ich überlegte, was ich sagen sollte.

“Was bin ich?” (Und Ihr könnt mir glauben, dass ich jetzt viel preisgebe, denn wer weiß schon, wer diesen Artikel alles liest? Vielleicht die Augen rollenden Neider, die stillen Zweifler, Freund und Feind… Aber ich möchte gerne Mut machen mit dieser Blog-Serie und dazu gehört nun mal einfach, etwas Preis zu geben.)

Mit dem Brustton der Überzeugung sagte ich also das erste Mal in meinem Leben:
“Ich bin freischaffende Künstlerin!”

Das war ein echtes Erweckungserlebnis für mich. Denn ab diesem Moment war es einfach wahr. Ich hatte ebenso die Kopfnicker auf meiner Seite und zurück in München (wo ein Teil dieser Groß-Familie wohnte) nahm ich einen (bezahlten) Illustrationsauftrag der Psychologin entgegen.

So viel zum Thema: Die Idee beginnt im Mund.

Herzatmung_III
Erste Ausstellung im Rathaus Ottobrunn

Zurück in München, trat ich in einen Kunstverein ein, um mich besser zu vernetzen (das Ergebnis dieser Aktion könnt Ihr hier nachlesen >>) und trieb mich auf Facebook vermehrt auf einschlägigen Gruppenseiten herum. Wurde Teil der Kunst-und Kreativwirtschaftsgruppe, wo der liebe Arnold Sedlmeyer auf meine Bilder aufmerksam wurde und mich zur Kunstmeile in Wolfratshausen einlud. Ich stellte im Rathaus Ottobrunn aus und so nahm das Künstlerleben seinen Lauf. Und ja, bis hierhin war noch nicht viel Geld verdient…

Aber, gut Ding braucht Weile.

Eure Heike aus dem [wa]schatelier
Wer die Mut-Serie von vorne lesen möchte, startet am besten mit dem Beitrag #Mut Intro

 

2 Antworten auf „Mut #03“

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