Mut #07

Magnolien

Magnolien

WordPress beglückwünscht mich heute. Mein Blog ist auf den Tag vier Jahre alt. Was bedeutet, dass ich ihn damals am 3. Tag meiner Arbeitslosigkeit ins Leben gerufen hatte. Viel Spaß beim Weiterlesen meiner Mut-Serie. Heute wird es etwas schlüpfrig.

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Wie ging es also weiter nach der ersten Ausstellung? Es folgte ein Jahr, in dem ich nahezu täglich völlig neue Dinge tat. Das war unglaublich spannend.

Das Visualisieren von Projektinhalten hatte ich zwar im eigenen Job schon immer gemacht, dass ich damit aber tatsächlich Geld verdienen würde, konnte ich nicht glauben. Und doch stand ich etwa ein Jahr nach meiner Kündigung in diesem großen Unternehmen, zeichnete Projektabläufe, unterhielt mich mit den Mitarbeitern, die ganz neugierig fragten, was ich tat und war das erste Mal seit so langer Zeit endlich zufrieden mit dem, was ich tat. Die Firma, die mich engagiert hatte, fragte mich weiterhin jedes Jahr wieder an und so entstand die Projektvisualisierung als Bestandteil meines Portfolios, der heute zu einer meiner Haupteinnahmequellen zählt.

So ganz wollte ich mir selbst noch nicht über den Weg trauen, was die Selbstständigkeit anbelangte. Deshalb ließ ich mir weiterhin von diversen Jobportalen Stellenangebote zusenden. Den letzten Jobnewsletter habe ich übrigens erst in diesem Jahr gekündigt. Heute weiß ich, das wird mein Weg sein für die nächsten Jahre – wenn nicht für immer.

Ich werde immer wieder gefragt, wie ich Akquise betreibe. Ob das jetzt die Lösung für jeden ist, weiß ich nicht, aber für mich hat sich Mundpropaganda einfach immer bezahlt gemacht. Kaltakquise habe ich nie betrieben. Aber Netzwerkveranstaltungen besucht, von meinem Job gesprochen und vielleicht auch ein bisschen Glück gehabt und die richtigen Menschen getroffen und oft auch nach den richtigen Menschen gesucht. Viele Male habe ich auch zu Dingen “ja” gesagt, die zwar nicht das gewünschte Geld brachten, aber die benötigte Erfahrung.

So kam es, dass der Freund meines Sohnes eines Tages über diverse Umwege einen älteren Herrn an mich verwies, der mich anrief und mich fragte, ob ich für eine persönliche Chronik zu seinem 70. Geburtstag einige Illustrationen anfertigen könnte.

“Ja, das mache ich gerne.” , antwortete ich ihm. Wir verhandelten kurz am Telefon über den Preis (was ich heute definitiv nicht mehr machen würde!) und er besuchte mich einige Tage später persönlich zu Hause, um mir sein Skript vorzulegen. An dem Tag, als der werte Herr kam, hatte mein Mann gerade Urlaub und saß still auf dem Sofa im Hintergrund. Es war ein sehr amüsanter Nachmittag, denn der Auftraggeber erzählte frank und frei von diversen Liebesabenteuern und amourösen Anekdoten, die auch Teil meiner Illustrationen werden sollten. Mein Mann saß also auf dem Sofa und grinste mich an, während ich mir anhörte, dass ich zeichnen sollte, wie “sie ihr Hoser´l aufhebt und ich blicke ihr nach.”

Hund

Der Oberbrüller war aber der Hund, den ich zeichnen durfte – der Weggefährte des freundlichen Herrn. Das Viecherl, das – wie mir berichtet wurde – dem Studentenfreund in die Schultasche pieselte, hieß nämlich genauso wie man Mann. Mir schossen die Lachtränen in die Augen, mein Mann verschanzte sich hinter der Zeitung.

Der Deal war perfekt. Ich zeichnete also Hunde, Kühe, den Auftraggeber selber und natürlich zum ersten Mal in meinem Leben ein “Fräulein” mit Slip in der Hand.

An dieser Stelle muss ich auch noch mal erwähnen, dass ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht alleine finanzieren konnte. Wie auch. Es waren die ersten Monate der Selbstständigkeit, ich verkaufte hie und da ein Bild, eine Illustration, eine Visualisierung und gab VHS- und Malkurse im eigenen Atelier. Ich arbeitete hart am Konzeptionieren von neuen Ideen und baute nach und nach mein Netzwerk aus. Die Einnahmen reichten, um das Atelier zu bezahlen. Den Rest stemmte mein Mann. Ich schreibe das deshalb so explizit, weil ich nichts beschönigen will. Einfach so von 0 auf 100 war es nun mal nicht. Aber die Welle der Aufträge, die auf mich zurollte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sehen. Und sie kam – die Welle.

Im nächsten Beitrag wird es um Begegnungen gehen, die einem gut tun und um Dinge, die ich ausprobierte und wieder fallen ließ.

Learnings

  • Öfter mal ‘Ja’ sagen und etwas ausprobieren (nur, wenn der Bauch auch ‘Ja’ sagt)
  • wenn möglich, das Geld nicht als erste Motivation sehen; die Erfahrung dahinter ist oft viel mehr Wert; aber Bezahlung muss natürlich sein!
  • sich mit Gleichgesinnten zusammentun, Gemeinschaften suchen, in denen man Rat findet

So, das war´s von mir heute.

Es grüßt Euch herzlichst

Heike aus dem [wa]schatelier

Die Mut-Serie beginnt mit dem Artikel Mut Intro

2 Antworten auf „Mut #07“

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