Mut #13 – Frankfurter Buchmesse

IMG_20181031_160051_127Ewig wollte ich hinfahren. Und ewig bin ich es nicht.

Diesen Herbst nun endlich war es so weit und ich habe es endlich zur Buchmesse nach Frankfurt geschafft. Und was soll ich sagen: Es war ein echtes Erlebnis. Viel habe ich mit zurück genommen – im Herzen, im Kopf und im neuen Rucksack. Und das Witzige dieser Reise – ich fahre das erste Mal zur Buchmesse und habe im Gepäck mein erstes veröffentlichtes Buch schon dabei (Ja, sorry, das musste jetzt raus.). Aber alles der Reihe nach.

Zur Buchmesse nach Frankfurt hatte ich mich mit meiner lieben Hannover Kollegin Sabine Müller-Waltle verabredet. Sie hatte ihr tolles Bienenbuchmanuskript dabei und ich selbst wollte mein Glück mit dem Buch zur guten Nacht probieren. Ein Buch gefülltIMG_20181031_155826_346.jpg mit Illustrationen und Gedichten für Erwachsene und Kinder (eigentlich ja vier Bücher, aber ich hatte nur zwei dabei, weil schwer und so…). Nach unserer Ankunft am Bahnhof in Frankfurt gehen wir erst mal essen und reden und reden und reden…

Anders als empfohlen, war ich nicht vorbereitet auf die Verlage, hatte keine Termine vereinbart und keine Portfoliomappe dabei, hatte den Hallenplan nicht studiert und war saumäßig aufgeregt. Ich wollte mich auf keinen Fall in die Schlangen zur Illustratorensprechstunde bei den Verlagen stellen und im Schnelldurchlauf den LektorInnen erklären müssen, was ich da eigentlich in Händen halte (was nicht heißen soll, dass ich es nicht doch noch tue!). Ja, was wollte ich eigentlich? Mir alles mal aus der Nähe anschauen und wie ein Wolf um die Schafherde kreisen…dabei kam ich mir eher wie das Schaf im Wolfspelz vor.

Die erste Anlaufstelle auf der Buchmesse ist für Sabine und mich der Stand der Illustratoren Organisation. Hier trifft man Leute, die man kennt, oder nicht kennt, oder aus dem Internet kennt. Oder man trifft als erstes Tanja Wehr, die am IO-Stand gerade das Anmeldeformular ausfüllt. Erst mal Gruppenkuscheln und etwas gestrahlt in die Kamera grinsen.

Mein Herz geht ein zweites Mal auf, als mich Carola Sturm anhüpft und mich feste drückt. Ich drücke zurück. (Wir haben uns vorher noch nie gesehen!) Dann entdecke ich Franzi Ruflair bei der Mappenberatung und später auch noch Sabine Kranz – lauter unfassbar gute und sympathische Illustratorinnen!

 

Ich stelle meine Gute-Nacht-Geschichten den KollegInnen vor, die sich dafür interessieren und ernte leuchtende Blicke und lächelnde Gesichter. “Los, mach! Zeig das den Verlagen! Hast du denn schon Termine vereinbart?” Öh…nein.

Ich packe die Bücher also wieder in meinen Riesenrucksack und tapere los. Und ich merke, wie viel Kraft mich das kostet. Jetzt bin ich ja nicht gerade ein schüchterner Mensch, aber meine Geschichten anbieten und eventuell Absagen kassieren? Das geht doch nicht. Zunächst schleiche ich also völlig beiläufig mit Sabine durch Halle xy und komme mir vor wie ein Kaufhausdieb kurz vor dem ersten Coup. Ich lächle freundlich und habe das Gefühl, mein Rucksack wird immer schwerer. Dann erspähe ich ein Gedichtebuch, das ich mir vor Kurzem im Lyrikkabinett in München gekauft habe und frohlocke. Mit dem freundlichen jungen Mann in dem kleinen Verlagsbüdchen komme ich ins Gespräch. Und kurz darauf sitze ich mit ihm zusammen und lese ihm die ersten Geschichten aus dem Buch zur guten Nacht vor. Sabine winkt mir und läuft weiter. Meine Wangen glühen, als ich mit Visitenkarte und roten Wangen den Stand verlasse.

Zurück bei der IO fragen wir uns alle gegenseitig nach unseren Heldentaten aus. Ich bin völlig platt. Dann empfiehlt mir Steffi Weiffenbach einen Termin bei der erfahrenen Lektorin Frau G. Um 16 Uhr 20 ergattere ich noch einen der begehrten Plätze. Das ist echt spät – bin ich ja nur heute da. Aber ich nutze die Zeit und strawanze durch die Hallen. Ein Verlag hat es mir besonders angetan. Er produziert Bilderbücher für Kinder und Erwachsene. Ich frage nach, ob man Zeit für mich hat. “Nein, leider momentan nicht, aber wenn Sie um 17.00 Uhr noch Zeit hätten?” Ich nicke und glühe und schwitze, in meinem Rucksack wird Party gefeiert.

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mit Sabine Müller-Waltle

Sabine und ich treffen uns zum Mittagessen. Wir stehen im Erdgeschoss der Kinderbuchhalle – einen Meter von einander entfernt, mit dem Handy am Ohr: “Wo bist du? Ach, ich kann dich sehen…dreh dich mal nach links! Nein, das andere links.” Wir lachen. Sabine ist in diesen Tagen mein Anker. Sie erdet mich und wir schwingen sehr gut zusammen. Ob beim morgendlichen Knuspermüsli in der Privatwohnung, oder beim abendlichen Wein mit Fachsimpeleien rund um Illustration, Ipad-Updates und dem Traum vom eigenen Buch. Danke an dieser Stelle, dass du mir über den Weg gelaufen bist.

Nach dem Mittagessen in der Sonne geht es zurück in die Hallen. Wir streifen umher, unterhalten uns lange mit KollegInnen und sondieren.

Zurück am Stand der IO, warte ich auf meine 10 Minuten Feedbackzeit bei Frau G. Als ich ihr eine Geschichte vorlesen will, beginnt die Band auf dem Podium zu spielen. “O  Mann!”, denke ich. “Ausgerechnet jetzt!” Das Feedback der freundlichen und konzentrierten Lektorin kurz zusammen gefasst: Sie müssen das unbedingt Herrn G. zeigen!! (Herrn G. hab ich neulich im Lyrikkabinett getroffen und kurz hallo gesagt. Oh Schicksal…)* Er muss sich anhören, was sie zu sagen haben!”

Die Häsin hat rote Wangen und freut sich.

Am späten Nachmittag checkt Sabine die Lage für ihr grandioses Bienenmanuskript und ich steuere den Verlag an, bei dem ich um 17 Uhr noch einen Termin ergattert habe. Eine junge Lektorin hört sich konzentriert und mit unbewegter Miene einige meiner Geschichten an und die Story über die Entstehung derselbigen.

“Bitte schicken Sie uns das ganze Manuskript zu!” sagt sie am Ende sehr sachlich. Und die Häsin klappt ihr Buch zur guten Nacht zu und grüßt zum Abschied und nimmt mit feuchten Händen eine weitere Visitenkarte entgegen.

Ich habe zwei Verlagen meine Bücher gezeigt. Nur zwei Verlagen. Das ist ein Witz. Aber immerhin waren beide interessiert. Was daraus wird, ist zwar nicht egal, aber zumindest halte ich den Ball weiterhin flach. Für mich ist viel wichtiger, dass ich mich wieder mal ein Stück besser kennen gelernt habe. Ich habe gesehen wie viel Mut ich brauchte, um diese Bücher herzuzeigen und jemandem zu erklären, auf welche Weise sie entstanden sind.

Der Abend ist schneller da, als uns lieb ist. Sabine und ich fahren kurz zurück in die Wohnung, machen uns frisch und legen kurz die Beine hoch. Marie Hübner hat uns zur Vernissage eingeladen zur Ausstellung “100 Frauen”. Ein unglaublich tolles Projekt mit ganz vielen Kolleginnen, die ich bereits näher kenne. Das Beste an der Sache: Sabine und ich haben einen nur 15-minütigen Fußweg von unserer Wohnung zur Galerie zu absolvieren.

Später finden wir uns dann im Getümmel der Ausstellung wieder – es ist unheimlich viel los – ein Hallo folgt dem anderen. Wir sehen uns die wundervollen Frauen-Illus an, die anlässlich des 100-jährigen Frauenwahlrechts entstanden sind. Alles zur Ausstellung und dem dazugehörigen Buch findet Ihr hier >> 

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mit Sabine und Sabine Kranz

Später am Abend beenden wir den unfassbar tollen Tag mit einem Abendessen und guten Gesprächen. Das letzte Glas Wein in der gemeinsamen Wohnung ist für uns der Startschuss für die Buchmesse im nächsten Jahr.

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Empfehlungen und Learnings

Wenn du als Illustratorin auf die Buchmesse gehen willst, dann könnten dir vielleicht folgende Tipps nützlich sein:

  • Wenn in den Buchmesse-Foren steht, dass es heiß in den Messehallen ist, dann ist es HEIß! Am besten Tshirt und Zwiebellook. Man kommt ordentlich ins Schwitzen.
  • Foodtrucks auf der Messe sorgen für das leibliche Wohl und ich würde davon absehen, eine Brotzeit einzustecken und mitzuschleppen. Ein Apfel, eine Flasche Wasser – das reicht.
  • Gute Schuhe. Und mit gut meine ich nicht die glänzenden Ledertreter mit Absatz. Turnschuhe, denn du läufst den ganzen Tag teilweise wirklich lange Strecken. Wieder und wieder und wieder.
  • erste Anlaufstelle und Meetingpoint für Illustratoren  ist der Stand der Illustratoren Organisation. Hier erhältst du neben nützlichen Tipps und Mappenberatung (als Mitglied) auch die Möglichkeit, endlich alle IllustratorInnen zu treffen, die du vielleicht bisher nur online kanntest. Außerdem bietet die IO ein Bücherregal an, in das man als IO-Mitglied seine bereits veröffentlichten Bücher stellen kann.
  • Ein Tag reicht nicht aus – besser zwei
  • Schau genau, welcher Verlag zu deinem Portfolio und auch zu deinen Wünschen passt.
  • Messeplan vorab anschauen, um unnötige Kilometer Laufstrecke zu vermeiden.
  • Nutze die frühen Morgenstunden, wenn die Messe gerade geöffnet hat, um evtl. schon ein paar Verlage – jenseits der Illustratorensprechstunde – anzusprechen.
  • Nimm dir Zeit für die Lesungen und schau dir Neuerscheinungen an.
  • besuche Lesungen oder Vorträge, um Zukunftstrends kennen zu lernen
  • Sei mutig und NICHT schüchtern!
  • Melde dich bei der IO an. *Herzchen*

So, das war meine Buchmesse-Nachlese und ich hoffe, sie hat Euch ein bisschen mitgenommen auf die spannende Reise, auf der ich gerade bin. Nächstes Jahr findet Ihr mich auf jeden Fall wieder auf der Frankfurter Buchmesse – Treffpunkt…na ja, Ihr wisst ja jetzt wo.

Eure (manchmal gar nicht so mutige) Heike aus dem [wa]schatelier

*mehr kann und möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, weiß ich ja noch gar nicht wie alles weitergeht – nur so viel: Herr G. ist ein sehr bekannter Herausgeber von Kinderlyrik, vielfach ausgezeichnet… man wird sehen.

 

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