Mut #04

Der kritische Leser wird vielleicht nach der Lektüre dieses Beitrags denken: “Ja und? Was war denn daran jetzt mutig?”

Mag sein, dass es nicht immer Mut erfordert, den nächsten Schritt zu gehn, aber es kostet schon manches Mal Mut, etwas völlig Neues zu wagen. Ab dem Jahr 2015 tat ich das fast täglich. Es kostete mich neben dem Mut auch Kraft. Aber es hat sich gelohnt. Die nächsten Beiträge könnt Ihr also als so etwas wie die Ouvertüre sehen zu dem neuen Leben. Und ja, es fühlte sich ab einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich an wie ein neues Leben.


Im Sommer meiner Arbeitslosigkeit erzählte ich einem Freund, dass ich mich selbstständig machen möchte mit der Kunst im weitesten Sinne. Wir saßen auf der Bank vor dem Haus und ich erklärte ihm meine – damals noch nicht allzu konkreten – Pläne.

“Vielleicht – verknüpfe ich die Kunst auch mit der Kommunikation”, dachte ich damals laut. Er schaute mich fragend an.” Na ja, Flipchartgestaltung wäre ein Thema. Das geht es einerseits um Gestaltung und andererseits um Kommunikation.” Er nickte und wir setzten unsere Unterhaltung bei einer Tasse Kaffee fort. Es war ein schöner Sommernachmittag.

Warum ich das niederschreibe? Weil es in dieser kleinen Szene wieder einmal darum geht, dass eine Idee im Mund entsteht. Darüber hatte ich Euch ja im letzten Beitrag berichtet. Man redet über seine Pläne und denkt laut und so kommt eins zum anderen… (was wiederum etwas dauern kann).

In der Zwischenzeit traf ich mich mit vielen Menschen, die mich interessierten, die mir bereitwillig Fragen beantworteten und aus meinen vielen Fragezeichen ein Ausrufezeichen machten. So zum Beispiel die liebe Anja Hess (ich weiß gar nicht mehr, wie wir beide zusammen gefunden haben), die mich nach Hause einlud und mir ihre Bilder zeigte. Ich war so neugierig wie das mit der Ausstellung in der heiß begehrten Orangerie gelaufen war. Und Anja erzählte mir alles. An dieser Stelle liebe Grüße.

Für mich stand fest, dass ich im nächsten Jahr unbedingt eine eigene Ausstellung planen wollte – für 2015 also. Wo war nicht klar, wie auch nicht.

Der Sommer verging also und ich malte fleißig noch immer im Keller unseres Hauses. Viele großformatigen Werke entstanden mit meiner ganz eigenen Technik. (Ganz nebenbei: Ich schickte trotzdem weiter Bewerbungen raus und ging fleißig zu den Maßnahmen des Arbeitsamtes.

Das Kotz-Würg erspare ich Euch an dieser Stelle…) Ich malte ein 4-Meter langes Bild für die Agentur eines Freundes. Das Bild passte in kein Auto und wir mussten es 2 km durch die Stadt tragen. An den Ampeln drehten wir es immer so herum, dass die wartenden Autofahrer meine (damals noch private) Emailadresse lesen konnten. Es war eine witzige Aktion. Ich bekam später einen Film darüber geschenkt.

Dann kam die Episode mit den Kontaktdaten zu einem zu vermietenden Atelier. Ich hatte eine Email geschrieben, ohne zu wissen, wer hinter der Adresse stand. Nach zwei Wochen kam eine Antwort zurück. Die Dame entschuldigte sich, dass sie so spät antwortete, aber sie sei in Urlaub gewesen. Ich könne das Atelier jederzeit ansehen kommen, vielleicht sollten wir vorher mal telefonieren.

Der Name unter der Email kam mir so bekannt vor und ich wusste nicht, woher. Ich durchforstete die Kataloge, die ich 4 (!) Wochen vorher (zwei Wochen lang lag der Zettel ja bereits in meiner Tasche) bei boesner mitgenommen hatte. Und voilà – die Dame gab auch Kurse bei boesner. Jetzt war ich doch gespannt.

Ich rief sie an und vereinbarte einen Besichtigungstermin. Sie erklärte mir noch am Telefon, dass sie selbst das Atelier seit 20 Jahren innehatte und jetzt aus persönlichen Gründen gerne abgeben wollte. Es sei in einem Privathaus im Keller untergebracht, aber jeder Raum habe ein Fenster und einen Wasseranschluss. Den Garten könne ich ebenso mitbenutzen. Ich war von den Socken, das könnt Ihr glauben – und so aufgeregt.

Also machten mein Mann und ich uns eine Tages auf den Weg, das Atelier gemeinsam zu begutachten.

Meine Learnings in dieser Zeit

  • nicht aufhören, über Ideen zu sprechen
  • weiterdenken
  • auf dem Teppich bleiben
  • kurz auch mal abheben
  • Menschen treffen und neugierig bleiben

Eure Heike aus dem [wa]schatelier

An dieser Stelle möchte ich mich für Eure lieben Kommentare und Euer Feedback bedanken (sei es über WordPress, facebook oder Instagram). Ich freue mich sehr, dass Euch meine Mut-Serie gefällt.

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