Von der Neugier…

Die Neugier ist ja bekanntermaßen eine treibende Kraft, die mich besonders in den letzten drei Jahren über verschlungene Pfade an traumhafte Ziele geführt hat. Im letzten Sommer brachte diese Wissbegier und Fragelust mich zu einem Telefonat.

Bei 30 Grad in der Hängematte schwingend telefonierte ich mit Andrea von Gedankenkessel, die ich noch nie persönlich getroffen hatte. Wir verfolgen uns lediglich gegenseitig auf Instagram. So kam es also, dass wir miteinander sprachen und uns gegenseitig Teile unserer Lebensgeschichten anvertrauten. Andrea ist eine sehr gute Zuhörerin und offen und neugierig. Ich erzählte ihr von einem Buch, das ich gerade lese. “Die Kunst ein kreatives Leben zu führen” von Frank Berzbach. Es hat mich in meinem Hängemattensommer (eine selbstverordnete 4-wöchige Sommerpause) begleitet und mir Denkanstöße gegeben, wie ich mich selbst vom Hamsterrad trennen und gleichzeitig weiterhin meiner Kunst und meinem kreativen Schaffen widmen kann.

Andrea nahm den Buchtipp auf, postete dazu etwas auf instagram, taggte Herrn Berzbach, der den Post kommentierte.

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Köln 28

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Der Koffer ist schon gepackt als ich mich morgens um 6 aus dem Bett schäle. Heute geht es zum ersten Graphic Recorder Branchentreffen in Deutschland. Ich bin dabei!

Der Münchner Hauptbahnhof spuckt mir seine Geräusche und Gerüche unvermittelt entgegen als ich am Gleis angelangt bin. Ich blicke hinaus aus dem Bahnhof, den Schienen entlang und freue mich, dass ich heute nach Köln reisen darf.

Die Zugfahrt mit M. wird sehr kurzweilig. Wir rätseln über ein Wort aus einer Zeitschrift, das wir nicht kennen und lachen uns dabei weg. Wer weiß schon, was “verstäupen” ist. Hoffentlich müssen wir das nicht demnächst visualisieren.

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Einige Stunden später, Köln begrüßt uns zunächst mit einem kleinen – kurz darauf dann mit einem großen Hallo. In einer bezaubernden Location treffen wir auf die anderen 26 Graphic Recorder aus ganz Deutschland. Österreich wird kurzerhand zum 17. Bundesland anektiert, denn zwei Kollegen aus Austria sind auch mit von der Partie. Bei Kaffee und Erdbeerkuchen entwickeln sich die ersten Gespräche. Läuft!

Der Vortrag von Dr. Joachim Baum, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Hochschule Osnabrück, lockt uns alle ein bisschen aus der Reserve.

“Was wollt Ihr eigentlich alle hier?”

“Wir diskutieren hier auch über Eure Wahrhaftigkeit!”

“Was könnt Ihr wirklich?”

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(c) by Ludmilla Bartscht

Wir stürzen uns in den Diskurs darüber wie wir unsere berufliche Zukunft gemeinsam gestalten können. Ob es dabei um einzuhaltende Qualitätsstandards geht oder aber viel mehr um eine selbstbewusstere Kundenberatung und -betreuung, das wird sich noch zeigen.

Als uns abends die Köpfe qualmen und uns der Hunger drückt, geht es gemeinsam ins Lokal “Ludwig im Museum”. Während des Spaziergangs dort hin, vertiefen wir unsere Gespräche. Ein Hauch von “magic” liegt in der Luft 😉

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(c) by Heike Haas

Tag 2 in Köln startet Heike-freundlich um 10 Uhr im CoLab. In der großen Runde fassen wir Erarbeitetes vom Vortag zusammen, sammeln Themen für kommende Arbeitsgruppen und tauschen Emailadressen aus. Schließlich findet sich auch ein Gruppenname (wie er entstand, würde hier zu weit führen): w28 – und die 28 – klar- steht für alle 28 anwesenden Graphic Recorder.

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(c) by Mathias Weitbrecht

1 1/2 Tage verbringe ich in Köln. Mit Menschen, die ich bislang nie gesehen hatte (danke M., dass Du mich verlinkt hast). Wir wollen vernetzter arbeiten in der Zukunft und Erfahrungen und Wissen mit einander teilen. Ein hehres Ziel, aber ein umsetzbares Vorhaben.

Ich fühle mich schon sehr beheimatet in dieser Gruppe von 28 wunderbaren Illustratoren, Visualisierern, Querdenkern und Stifte schwingenden Profizuhörern.

Hamburg 2017 kann kommen – ich bin gerne dabei und möchte Unterstützung anbieten, wo ich kann.

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(c) by Malte von Tiesenhausen

 

In diesem Sinne ein großes Dankeschön an die Organisatoren Kik, Kirsten und Andreas.

Eure Heike aus dem [wa]schatelier

 

ReisEnde

Der letzte Tag in der Stadt an der Elbe geht zu Ende.
Der Wein rötet die Wangen. Der Magen ist gefüllt. Meine Füße legen sich ebenso nieder wie die Dunkelheit auf unser Quartier.

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Der erste Weg heute Morgen führt uns in das Viertel, in dem meine Mutter aufgewachsen ist. Auf ihren Spuren suche ich am Hansaplatz nach dem Kasperltheater, das es natürlich längst nicht mehr gibt. Kurzes Innehalten.

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Dann Sternschanze. Aber das Schanzenviertel ist kein Ort für den Vormittag. Vermutlich sollte man es an der Seite eines Hamburgers erkunden. Bunt aber müde liegt es im Nieselregen und will einfach nicht zünden.

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Im Kaffeekontor gibt es zum Glück einen Cappucino mit seidigem Schaum und nussiger Karamellnote. Die junge Frau mit Kopfturban hinter der Theke freut sich über mein Kompliment. Ich kratze glückselig den Zuckerschaum vom Grund meiner Tasse. Mein Gott, bin ich leicht zufrieden zu stellen.
Der Vormittag gehört uns. Die Kids streiken. Bis mittags. Dann treibt sie der Hunger zum Jungfernstieg, wo wir uns an der Fontäne verabreden.
Und hier ein echter Tip: Mittagessen in der öffentlich zugänglichen Kantine des HHAL, Holländischer Broog 3. Sehr gemütlich, lecker und erschwinglich.

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Im Teekontor begrüßt uns der Duft von Zimt und Orange, Rosenblüten und natürlich Tee. Weiter Richtung Hafen City, jetzt schafft es auch die Sonne raus. Und uns ist klar, dass Hamburg im Sommer eine weitere Reise wert ist.

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Nach dem großen Eisgeschlabber zurück am Jungfernstieg, treffen wir die M und M’s wieder. Die Mädchen wollen sich nicht mehr trennen.

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Ein Abendessen, ein Wein. Frau Heidenreich – heute erstanden – liegt schon parat und lockt mit kurzen Geschichten.
Hamburg ist schön. Aber ich bleibe ein Münchner Kindl – mit nationalem Migrationshintergrund. Vereine Berlin und Hamburg in mir, liebe Streuselschnecken und meine Berliner Tante, die Nordsee und spazieren in den Dünen.
Aber am meisten doch Tangomusik im Hofgarten und Steinestapeln an der Isar.

Wer nach München kommt, dem zeige ich meine Stadt sehr gerne.
Eure Heike aus Hamburg. ReisEnde

Veröffentlicht mit Fotos von www.waschatelier.de©

Hamburg drei

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Ich könnte von den edlen Häusern auf Blankenese erzählen, der Hafenrundfahrt, die hier obligatorisch ist, könnte berichten vom Teekontor und dem Aufstieg auf den Hamburger Michel…
Ich könnte. Tu es aber nicht, weil wir das alles nicht gemacht haben. Im Grunde haben wir heute den ganzen Tag nur gegessen und eine Stunde inne gehalten im Buchladen mit Blick auf die Innenalster.

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Elke Heidenreichs “Alles kein Zufall” wird morgen gekauft. Und wie ich da sitze mit dem Buch in der Hand und dem Blick durch die Panoramascheiben, merke ich: Ich brauche mehr Platz zum Denken…
Dann alle wieder raus in den frischen Wind. Unsere Tochter steht kurz vorm “Touristenkoma” und braucht dringend Essen und eine Sitzgelegenheit.
Wir fragen zwei Damen, wo man denn hier Kaffee trinken kann. Die eine deutet mir über die Schulter und sagt: “Na, bei Tschibo!”
Als wir vehement die Köpfe schütteln, verstehen sie und ihre Begleiterin, was wir wirklich wollen und brauchen.
“Na dann gehen Sie mal ins Alsterhaus, da kann man wunderbar Kaffeetrinken.”

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Als wir es dann gefunden haben, ist Widerstand gegen das Kaufhaus zwecklos. Nicht wegen seiner Schönheit, sondern weil wir alle total müde sind. Und plötzlich entscheiden wir uns alle gegen Kaffee und Kuchen und essen hungrig Deftiges.

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Abends dann großes Hallo in der Tratoria unseres Vertrauens. Wir treffen M. und M. mit ihrer Tochter M. 🙂
Die M und M’s sind ebenso platt wie wir, aber die Kinder spielen sich wach.
Morgen wieder mehr Hamburg-Kultur versprochen.
Jetzt Füße hoch.
Eure Heike aus Hamburg

Veröffentlicht mit Fotos von www.waschatelier.de©

Hamburg zwei

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Ein perfektes Frühstück startet mit gefühlten zwanzig Tassen Filterkaffee und Endloszeitunglesen ohne ein Wort.
Dann los.

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Also, jetzt mal ehrlich. Ich bin ja bekennender München-Fan. Aber es ist schon ziemlich saucool, wenn man in Hamburg aus der S-Bahn rauskommt und das erste, was man sieht, ist ein Schiff. Ein Schiff mitten in der Stadt.
Wir schauen und staunen und frieren ein bisschen. Wohin? Richtung Speicherstadt.

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Im Gewürzmuseum steigen uns Pfeffer, Anis und Koriander in die Nase. Alle wollen verweilen – mehr als eine Weile. Schmecken, fühlen, riechen, entdecken. Bis der Hunger uns den Weg hinaus zeigt.

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Die Tratoria zaubert. Lächeln auf allen Gesichtern. Zurücklehnen. Vorfreude.

Abends im Theater – die erste Szene. Mir laufen die Tränen bei so schöner Musik und dieser einzigartigen Inszenierung. Meine Tochter guckt mich nur an und sagt: “Also, Mama!” Schnief. Ist das unglaublich schön.

Draußen ist es jetzt dunkel und das andere Ufer leuchtet uns mit bunten Lichtern einen Gruß herüber.

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Spätabends in der Bar – das beste Abendessen aller Zeiten:
Erdnüsse und Tequila Sunrise.
Einer geht noch.
Beseelt, beglückt, beschwipst.
Gute Nacht.

Eure Heike aus dem Land der Träume

Veröffentlicht mit Fotos von www.waschatelier.de©