Reiseherbst

Der Herbst im waschatelier ist den Reisen vorbehalten. Im September ging es schon zum Graphic Recorder Branchentreff (w28) nach Wien, nächste Woche bin ich auf der Buchmesse in Frankfurt und im November dann in Hannover zum Sketchnote-Barcamp, worauf ich mich auch schon sehr freue.

Meine kreative Arbeit dreht sich zur Zeit vorrangig um ein persönliches Projekt. All jene, die mir auf Instagram folgen, kennen es schon. “Das Buch zur guten Nacht” und “Die kleine Schlummernummer” sind mir so ans Herz gewachsen. Im letzten Jahr sind so viele Gedicht-Geschichten entstanden und auf Papier gelandet. Und nun? Nächster Schritt – ein Buch draus machen. Ich merke gerade, wie schwierig das ist, aber die Lyrik und die Illustration zusammen zu bringen, das wäre für mich eine perfekte Kombination. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es mich an meine wunderbare Studienzeit (Literatur) erinnert.

Mehr gibt es hierzu noch nicht zu berichten, aber ich werde Euch gerne mit auf die Reise nehmen, wenn es etwas Neues hierzu gibt. Anbei findet Ihr ein Gedicht aus der kleinen Schlummernummer, das vor Kurzem entstanden ist.

 

Ich sehe Dich_Heike HaasNeulich nachts traf ich im Traum
meinen Herrn Pappa,
wir redeten die ganze Nacht.
Wie war das wunderbar.

Diese Nähe, diese Hände,
diese Stimme, dieser Blick,
ach, wie gerne hätte ich ihn
einfach nur zurück.

Bevor er geht, da sagt er noch
“bestelle bitte Grüße”
und lang’ seh ich noch in der Ferne
seine großen Füße.

 

 

Eure Heike aus dem [wa]schatelier Turmzimmer im Ostflügel

konzeptionslos

So liege ich also unter dem blauen Blau und denke mich schon ein bisschen zurück nach München. Die Arbeit schafft es doch via Handy bis ins Urlaubsparadies und in meinen Kopf. Warum nur gelingt die Entschleunigung im Urlaub mit solcher Bravour? Und warum ist der ganz normale Wahnsinn zu Hause immer nur einen Augenblick entfernt? Ich merke, dass ich gerade total planlos und unkreativ bin. Kein Gedanke an “das müsste ich umsetzen” oder “diese Landschaft animiert zum xyz malen” oder “genau, das werde ich als nächstes machen”. Ich – die alte Konzepttrulla – bin konzeptionslos. Aber diesen Rückzug ins Nichts und in die Einsamkeit beobachte ich schon immer bei mir. Als Kreativer muss man auch mal alleine sein und Löcher in die Luft starren, um etwas Neues zu ersinnen.

Apropos Sinn, heute hab ich wie von Sinnen beim Dänen eingekauft. Der ist ja bekannt für sein Design und ich, die Anti-Shopperin, habe zugeschlagen. Kleine Belohnung fürs letzte halbe Jahr sozusagen.

Unsere Tage zwischen Fjord und Feldern, Strand und Sund, Muscheln und Museum sind gezählt.

Wir haben Berge erklommen (ja, ok, es war ein Hügel), Steine gesucht (obligatorisch), Krebse geangelt, Beeren gesammelt und Bücher gelesen, wir haben zu viel gegessen (und das jeden Tag), haben gesurft, sind gewandert, haben gestaunt und geschwiegen, gelacht und geträumt. Jeden Tag ein bisschen carpe diem. Alle zusammen und jeder für sich.

Und wenn ich es mir recht überlege, darf man dann auch konzeptionslos sein.
Eine Weile jedenfalls.

Eure Heike

Panik & Wandteppiche

Dänemarks Ostseeküste hat bei uns gestern ein Versprechen eingelöst. Feiner Sandstrand an flachen Ufern, das Meer beinahe karibisch blau und ein Himmel, der seine schönsten Wolkenschafe über uns her treibt.

Die Packung Sonne tüten wir selbstverständlich gleich ein und konservieren sie als Prickeln auf der Haut. Der Sand rieselt uns abends als Erinnerung an einen perfekten Urlaubstag aus den Haaren.

Tags darauf: Das Aros Museum in Aarhus ist einen Besuch Wert. Der 5-Meter-Boy sieht unglaublich echt aus. Die Haut, die Haare, die Falten an den Füßen. Wow!

Die Ausstellung von Grayson Perry lässt uns zunächst stutzig schmunzelnd zurück. Überall in seinen Kunstwerken (Wandteppiche, Vasen und Kleider) versteckte oder alles andere als unauffällig platzierte Penisse. Meiner Tochter ist etwas fade, als wir so dahin schlendern. “Geh Penisse zählen.”, sage ich. (Entrüstung, werter Leser, bitte jetzt!)

Später macht das Œfre dann doch Sinn für uns Kunstbanausen. V.a. der Saal mit der Wandteppichgeschichte.

Der Blick aus dem Regenbogenrundgang im 8. Stock am Ende unseres Besuches haut mich sprichwörtlich fast um. Die verzerrten Buntglasscheiben und die Höhe bewirken neben Schweißflecken unter meinen Achseln außerdem eine leichte Panik – und – einmaliger Nebeneffekt – auch wunderschöne Bilder auf meinem Handy.

Apropos Panik: “Panikherz” schreibt sich gerade in mein literarisches Gedächtnis ein, mit Sätzen wie “ihre Stimme klang wie Bananeneis schmeckt”.


Eure Heike …aus dem Urlaub

Die längsten Reisen

Der verregnete Münchner Juli hat mir nicht viel ausgemacht. Aber für einen Sommerurlaub an dänischen Küsten mit Kaminfeuer und Sauna bin ich nicht bereit. Noch nicht.

Die Ankunft am Haus lässt uns staunen und jauchzen (jauchzt man heute eigentlich noch?). Vom Frühstückstisch blickt man direkt auf den Fjord. Die Terrasse vor dem Haus lockt verheißungsvoll mit Frühstück unter dem weiten Himmel. 
Aber der Wind will es anders. 

Nach zwei frostigen Tagen in einer (be)rauschenden Landschaft, kommt der Puls erst mal runter. Das ist gut. Doch am dritten Tag endlich kommt das Wetter zur Ruhe – und das ist besser.

Die Kids surfen am Strand – “die Welle reitet mich”, ruft mein Sohn lachend in den Wind und schiebt die Locken aus dem Gesicht. 

Auch das Surfergirl wirft sich wagemutig in die Fluten. In Gedanken bin ich nirgendwo. Ich bin ganz hier. Und das ist das beste.

Heute ist ein neues Buch dran. Den Simon Becket lege ich verachtend zur Seite, weil der versprochene Thrill ausblieb. Nun widme ich mich Stuckrad-Barres “Panikherz”. Dieses beginnt mit einem wunderbaren Zitat von Jörg Fauser( wer ist das?):

“Die längsten Reisen fangen an, wenn es auf den Straßen dunkel wird.”

In diesem Sinne…Eure Heike

Dänemark zwei

Wind, Sonne, Weite, Wasser. Meeresrauschen die ganze Nacht.

Fußball zu viert im Garten,

lachen und schubsen

und die Haarsträhne aus dem Mundwinkel zupfen.

Einmal in den Wind stellen und das Objektiv gegen den Himmel richten.

Alles in den Wolken. Herz und Verstand, Kopf, Füße und Bauch.

Nur die Seele baumelt. 

Eure Heike aus Dänemark