Wahre Freude

Heute kam wieder mal ein Päckchen. Letztes Jahr etwa um diese Zeit auch. Damals hatte ich keinen Plan, was drin sein könnte. Heute wusste ich es genau:

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Die Rezensionsexemplare meines neuen Werkes als Co-Autorin. Passend zum Juliwetter kann ich es heute auch ohne Hemmungen vorstellen.

“Unser Adventskalender für den Morgenkreis” sind 24 Rätselreime für Kinder ab 4 Jahren, in Form von großen Karten, die im Morgenkreis oder auch privat zu Hause den Kindern vorgelesen werden können.  Das schöne Kartenset ist bei Don Bosco erschienen, verfasst habe ich es wieder mit meiner Freundin und Kollegin Ulrike Gruber.

Was mich besonders freut ist, dass diesmal ein Begleitheft dabei ist, das Euch noch mehr Hintergrundmaterial liefert zu den einzelnen Themen. Der Verlag schreibt dazu:

Wenn es in der Kita nach Tannenzweigen, Plätzchen und Kakao duftet, dann beginnt für Kinder die geheimnisvolle Zeit des Advents. Mit unserem Adventskalender für den Morgenkreis lösen die Kinder jeden Tag aufs Neue eines dieser kleinen Adventsgeheimnisse: Da gibt es gereimte Rätsel zu der besonderen Atmosphäre mit Adventskalender, Liedern und Kerzenschein, Rätselverse rund um Christbaum, Adventskranz und Barbarazweig, Detektivisches zu wichtigen Personen wie dem Nikolaus, den drei Königen und dem Väterchen Frost und schließlich Rätselfragen rund um Maria, Josef und das Jesuskind. Das Begleitheft bietet zu jedem Rätselmotto kreative Ideen oder Spiele zum Einstreuen in den Kita-Tag und Hintergrundwissen für die ErzieherInnen.

 

Bestellen könnt Ihr das gute Stück über meine Webseite >>

Und wisst Ihr was? Wahre Freude fühlt sich sooooo gut an.

 

Eure Heike aus dem [wa]schatelier

konzeptionslos

So liege ich also unter dem blauen Blau und denke mich schon ein bisschen zurück nach München. Die Arbeit schafft es doch via Handy bis ins Urlaubsparadies und in meinen Kopf. Warum nur gelingt die Entschleunigung im Urlaub mit solcher Bravour? Und warum ist der ganz normale Wahnsinn zu Hause immer nur einen Augenblick entfernt? Ich merke, dass ich gerade total planlos und unkreativ bin. Kein Gedanke an “das müsste ich umsetzen” oder “diese Landschaft animiert zum xyz malen” oder “genau, das werde ich als nächstes machen”. Ich – die alte Konzepttrulla – bin konzeptionslos. Aber diesen Rückzug ins Nichts und in die Einsamkeit beobachte ich schon immer bei mir. Als Kreativer muss man auch mal alleine sein und Löcher in die Luft starren, um etwas Neues zu ersinnen.

Apropos Sinn, heute hab ich wie von Sinnen beim Dänen eingekauft. Der ist ja bekannt für sein Design und ich, die Anti-Shopperin, habe zugeschlagen. Kleine Belohnung fürs letzte halbe Jahr sozusagen.

Unsere Tage zwischen Fjord und Feldern, Strand und Sund, Muscheln und Museum sind gezählt.

Wir haben Berge erklommen (ja, ok, es war ein Hügel), Steine gesucht (obligatorisch), Krebse geangelt, Beeren gesammelt und Bücher gelesen, wir haben zu viel gegessen (und das jeden Tag), haben gesurft, sind gewandert, haben gestaunt und geschwiegen, gelacht und geträumt. Jeden Tag ein bisschen carpe diem. Alle zusammen und jeder für sich.

Und wenn ich es mir recht überlege, darf man dann auch konzeptionslos sein.
Eine Weile jedenfalls.

Eure Heike

Blaubeeren

Während die anderen durch die Heide stapfen und Blaubeeren und Preiselbeeren sammeln, sitze ich auf dem morschen Bänkchen und schau ins Nirgendwo.

Der sandige Weg schlängelt sich vom Boots-Anlegeplatz hinauf durch den Wald bis zum Himmelberg. Einst der höchste  Berg Dänemarks. Bis ein Schlauberger-Landvermesser kam und einen anderen Berg für höher befunden hat. Doch der Himmelbjerget bleibt in den Reiseführern weiterhin erwähnt.
Der Wind treibt Wolken übers Land, die Sonne schafft ab und zu ein kurzes “hallo, hier bin ich”. Pulli aus, Pulli an.

Die zum Beerensammeln umfunktionierte Wasserflasche füllt sich blau und rot, und in unserem Kopf wächst der Gedanke an das Abendessen zu einer märchenhaften Vision heran: Blaubeerpfannkuchen.

Zufriedenheit kann so einfach sein. Was brauche ich heute mehr als meine Lieblingsmenschen um mich herum, die mit blaurot angesafteten Fingern und breitem Grinsen aus der Heide treten.

“Folgt der heiligen Flasche!”

Wird gemacht.

Eure Heide-Heike

Die längsten Reisen

Der verregnete Münchner Juli hat mir nicht viel ausgemacht. Aber für einen Sommerurlaub an dänischen Küsten mit Kaminfeuer und Sauna bin ich nicht bereit. Noch nicht.

Die Ankunft am Haus lässt uns staunen und jauchzen (jauchzt man heute eigentlich noch?). Vom Frühstückstisch blickt man direkt auf den Fjord. Die Terrasse vor dem Haus lockt verheißungsvoll mit Frühstück unter dem weiten Himmel. 
Aber der Wind will es anders. 

Nach zwei frostigen Tagen in einer (be)rauschenden Landschaft, kommt der Puls erst mal runter. Das ist gut. Doch am dritten Tag endlich kommt das Wetter zur Ruhe – und das ist besser.

Die Kids surfen am Strand – “die Welle reitet mich”, ruft mein Sohn lachend in den Wind und schiebt die Locken aus dem Gesicht. 

Auch das Surfergirl wirft sich wagemutig in die Fluten. In Gedanken bin ich nirgendwo. Ich bin ganz hier. Und das ist das beste.

Heute ist ein neues Buch dran. Den Simon Becket lege ich verachtend zur Seite, weil der versprochene Thrill ausblieb. Nun widme ich mich Stuckrad-Barres “Panikherz”. Dieses beginnt mit einem wunderbaren Zitat von Jörg Fauser( wer ist das?):

“Die längsten Reisen fangen an, wenn es auf den Straßen dunkel wird.”

In diesem Sinne…Eure Heike

Hannover zwei

Diese Stadt kann ich nicht einordnen. Sie ziert sich etwas, ist verschwiegen und diskret. Und wenn man gerade denkt, dass sie einem die kalte Schulter zeigt, zückt sie ein Ass aus dem Ärmel und stellt dir ein wunderschönes Gebäude in den Weg. Oder einen Park oder einen See oder so…

Im Supermarkt quatscht mich eine ältere Frau an. Die Zitronen hier sind so teuer, sagt sie. Und im Garten ihrer Schwester liegen sie nur so rum – also, die Zitronen. Später finde ich heraus, dass die Dame aus Griechenland kommt, wo sie dann am Donnerstag auch wieder hinfliegt.

“Ich war auch schon mal in Griechenland. Kreta, Kalamata..”, berichte ich ihr stolz. Dann senkt sie den Kopf, als würden wir uns schon ewig kennen und fragt: “Dieses Jahr kommst du nicht?”

“Nein, dieses Jahr komm ich nicht.” Sie winkt zum Abschied.

Der Helmkehof begrüßt mich in hannoveranischer Klinkerbauweise. Ich trete ein und nehme einen tiefen Atemzug. Ja. Das wird toll heute. Skizzieren mit Felix Scheinberger.

Wir starten mit Aquarelltechniken und landen schließlich bei Sardinen und roten Zwiebeln. Herr Scheinberger malt ein Horn auf die Stirn meiner Permafrostsardine (nicht im Bild), ich protestiere.
“Na, dann radier’s doch wieder weg.” Er greift in mein Stiftekästchen und rubbelt die Sardinenstirn grau. Dann der Blick zu mir “da hat aber jemand einen dreckigen Radiergummi…”. Ich grinse, er auch. Netter Typ. Ich brauch nen neuen Radiergummi, denke ich so bei mir.

Abends verabredet sich die Gruppe zum Essen und auf ein Bier. Ich ziehe das türkise Tupfenkleid aus dem Schrank, das es beim Packen irgendwie in meinen Koffer geschafft hat. Treffpunkt Maschsee, kleiner Spaziergang zum Lokal. Wir genießen den Sommerabend bei Kölsch und Cocktails und reden über die Nackten von Aljoscha Blau und die Bourlesque-Tänzerin Tronicat, die uns übermorgen besucht.

Und wie von Zauberhand schafft es das türkisfarbene Tupfenkleid sogar bis ins Skizzenbuch des Meisters.

by Felix Scheinberger

Illustration: Felix Scheinberger

Eure Heike aus Hannover