Von der Neugier…

Die Neugier ist ja bekanntermaßen eine treibende Kraft, die mich besonders in den letzten drei Jahren über verschlungene Pfade an traumhafte Ziele geführt hat. Im letzten Sommer brachte diese Wissbegier und Fragelust mich zu einem Telefonat.

Bei 30 Grad in der Hängematte schwingend telefonierte ich mit Andrea von Gedankenkessel, die ich noch nie persönlich getroffen hatte. Wir verfolgen uns lediglich gegenseitig auf Instagram. So kam es also, dass wir miteinander sprachen und uns gegenseitig Teile unserer Lebensgeschichten anvertrauten. Andrea ist eine sehr gute Zuhörerin und offen und neugierig. Ich erzählte ihr von einem Buch, das ich gerade lese. “Die Kunst ein kreatives Leben zu führen” von Frank Berzbach. Es hat mich in meinem Hängemattensommer (eine selbstverordnete 4-wöchige Sommerpause) begleitet und mir Denkanstöße gegeben, wie ich mich selbst vom Hamsterrad trennen und gleichzeitig weiterhin meiner Kunst und meinem kreativen Schaffen widmen kann.

Andrea nahm den Buchtipp auf, postete dazu etwas auf instagram, taggte Herrn Berzbach, der den Post kommentierte.

Sie traf ihn bei einer Lesung in Hamburg. Der Rest ist Geschichte… Uns beiden war schnell klar, dass wir Euch diese Story mit auf den Weg geben möchten. Wie Synergien entstehen, wenn man sich zusammen tut, was alles dabei entstehen kann.

Andrea fragte Herrn Berzbach nämlich, ob er uns ein paar Fragen zu seinem Buch beantworten könne, was er auch tat.

Berzbach_HaasHier also nun das Interview mit Frank Berzbach, mit meinen Fragen rund um das Buch “Die Kunst ein kreatives Leben zu führen”. Weitere Fragen und Antworten findet Ihr ab heute auch bei Andrea in ihrem Gedankenkessel.

Vielen Dank für Deine Initiative und Dein Ohr, liebe Andrea. Stay brave!

Das Interview:

Lieber Frank Berzbach,

Ich habe Dein Buch „Die Kunst ein kreatives Leben zu führen“ schon oft im Laden weggelegt, weil ich zunächst dachte: „Mh, da ist ja nirgends ein Tipp oder eine Handlungsempfehlung oder gar ein Bildchen drin.“ Ich gehöre nicht zu den Agenturdesignern, sondern bin Illustratorin und Graphic Recorderin und habe das Buch dann schließlich doch gekauft, weil ich unendlich neugierig war.

Heike Haas: Am Ende bleibt mir zunächst am nachhaltigsten die Tasse Tee im Gedächtnis. Ist die Tasse Tee am Ende die Lösung für alle Gedankenknoten?

Frank Berzbach: Nein, natürlich nicht. Die Teepause, die Fähigkeit ihn ruhig zuzubereiten und zu trinken ist nur das Beispiel für praktisches Vorgehen. Echter grüner und schwarzer Tee sind von ihrer Wirkung her heilsam, und Teeschalen und Kannen ein ästhetischer Genuss. Aber es gibt sicher viele andere Wege.

Heike Haas: Du schreibst, dass Kreativität eine stille Angelegenheit ist. Da musste ich heftig nicken und schweigend zustimmen, als ich das las. Wie würdest Du diese schöpferische Stille Deinen Freunden erklären?

Frank Berzbach: Es geht einfach um die grundlegende Fähigkeit, sich konzentrieren zu können. Und dafür brauchen wir Ruhe. Alles andere nimmt zu viel Energie. Wer der Ruhe aus dem Weg geht, der hat unter der Oberfläche eine Nervosität, die für es viele Gründe geben kann. Egal was man sich einredet, für die Konzentration ist die Unruhe ein Hindernis.

Heike Haas: Als selbstständige Illustratorin fällt mir das Abschalten sehr schwer. Das schlechte Gewissen plagt mich oft „oh Gott, ich bin nicht produktiv!“ Ist dieses schlechte Gewissen ein Problem der Kreativen, der Selbstständigen oder vielleicht nur eines der Frauen?

Frank Berzbach: Frustration ist ein Problem für Kreative. Sie sind produktiv, aber ungeduldig. Sie arbeiten hart, aber dafür gibt es meist wenig Geld. Das schlechte Gewissen ist ein schlechter Berater, er verzerrt die Wahrnehmung. Wir müssen uns Ziele setzen in Bezug auf die Arbeit. Die Fähigkeit irgendwann Feierabend zu machen, ist wichtig. Man muss ich selbst Arbeitszeiten geben und ohne Ablenkung arbeiten. Nur dann hat man auch irgendwann frei.

Heike Haas: Du erklärst in Deinem Buch vier Schritte, die man als Formel auch auf kreative Prozesse anwenden kann.

  • Umarmen
  • Loslassen
  • Innehalten
  • Handeln

Frank Berzbach: Das ist eine eigenwillige Übersetzung der Vier Edlen Buddhistischen Wahrheiten, die nicht von mir stammt. Eine Formel für den kreativen Prozess selbst ist das nicht. Es gibt dafür nämlich keine Formeln. Es gibt Rahmenbedingungen, die Kreativität begünstigen. Handlungsspielräume, ein Zimmer für sich allein, eine relative finanzielle Grundsicherung, Stille.

Heike Haas: Das mit dem Loslassen habe ich nicht ganz verstanden. Könntest Du das in zwei Sätzen noch mal erklären?

Frank Berzbach: Wenn es in zwei Sätzen ginge, könnten wir alle loslassen. Es ist ein langer Weg und wir alle haften stark an. Wir akzeptieren keine Veränderungen oder idealisieren sie. Eigentlich gilt: Das Festhalten raubt die Kraft, nicht das Loslassen.

Heike Haas: Diese Formel könne einen vor Routinen bewahren. Aber ist eine formelhafte Handlungsempfehlung nicht gleichzusetzen mit routinierten Abläufen?

Frank Berzbach: Nur in der Mathematik gibt es Formeln und nur in der Küche Rezepte. Das Leben und Arbeiten hingegen ist nicht logisch, es ist psycho-logisch. Und dann wird es schwieriger. Mein Buch gibt keine konkreten Tipps, weil jeder für sich Lösungen und Wege finden und beschreiten muss. Ich möchte zum Nachdenken und Innehalten anregen. Und dann Formbewusstsein schaffen.

Vielen Dank für das Interview.

Eure Heike aus dem [wa]schatelier

2 Antworten auf „Von der Neugier…“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.